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Stiften liegt nach wie vor im Trend

11.02.2011

Zahl deutscher Stiftungen steigt auf Rekordhoch - aber große Unterschiede zwischen den einzelnen Regionen - Bundesverband Deutscher Stiftungen veröffentlicht aktuelle Zahlen

Berlin - Im Jahr 2010 sind in Deutschland 823 rechtsfähige Stiftungen bürgerlichen Rechts gegründet worden. Auf die alten Bundesländer (und Berlin) entfällt mit 760 Stiftungen das Gros der Neugründungen. In den fünf östlichen Bundesländern erhielten 63 neue Stiftungen die Anerkennungsurkunde. Damit existieren insgesamt 18.162 Stiftungen in Deutschland. Dies entspricht einer moderaten Wachstumsrate von 4,5 Prozent.

„Die Effekte der Wirtschafts- und Finanzkrise und das in den vergangenen Jahren schwierige konjunkturelle Umfeld spüren wir jetzt zeitverzögert im Stiftungswesen. Dies manifestiert sich vor allem im Rückgang der Neugründungszahlen bei den Wirtschaftsgrößen Bayern (15 Neugründungen weniger als 2009), Rheinland-Pfalz (-17) und Baden-Württemberg (-24) im Vergleich zum Vorjahr. 2007 haben wir bei den Stiftungsgründungen in Deutschland den vorerst höchsten Gipfel erreicht, jetzt pegeln sich die Errichtungszahlen auf hohem Niveau ein“, stellt , fest.

Leichtes Plus bei Stiftungsgründungen im Osten und Norden

Im Vergleich zum Vorjahr können nur wenige Bundesländer ein Plus bei den Neugründungen verzeichnen. Dazu gehören – wenngleich auf kleinem Niveau – vier der ostdeutschen Bundesländer, Brandenburg (+2), Mecklenburg-Vorpommern (+1), Sachsen-Anhalt (+2) und Thüringen (+1), und sogar mit einem deutlichen Plus Schleswig-Holstein (+10).

Stiftungen ballen sich im Raum Rhein-Ruhr

Die meisten Neugründungen – in absoluten Zahlen gemessen – kann das bevölkerungsreichste Flächenland, Nordrhein-Westfalen, mit 176 Stiftungen aufweisen. Nach wie vor haben die meisten Stiftungen (3.510) dort auch ihren Sitz. Setzt man allerdings die Zahl der Stiftungen ins Verhältnis zur Einwohnerzahl (Stiftungsdichte) muss sich NRW mit 20 Stiftungen pro 100.000 Einwohner abgeschlagen nach den anderen Flächenländern Hessen (27/100.000), Bayern (27/100.000), Baden-Württemberg (25/100.000), Niedersachsen (24/100.000) und Schleswig-Holstein (23/100.00) auf den sechsten Platz einreihen.

Die wenigsten Stiftungen (je 151) sitzen in den beiden bevölkerungsärmsten Flächenländern: im Saarland und in Mecklenburg-Vorpommern. Die geringste Stiftungsdichte hat Brandenburg mit sechs Stiftungen pro 100.000 Einwohner.

Würzburg: Spitzenstadt im Stiften

Die Würzburger engagieren sich traditionell besonders stark für das Gemeinwohl und holten im Jahr 2010 zum zweiten Mal in Folge den Titel Stiftungshauptstadt. Dabei bauten die Würzburger ihren Vorsprung auf 77 Stiftungen pro 100.000 Einwohner aus. Die nächstgelegene größere Stadt, Frankfurt am Main, bleibt auf Platz zwei im Städteranking (72/100.000). Hamburg ist nach wie vor die Stadt mit den meisten Stiftungen (1.199) und behauptet sich mit einem absoluten Zuwachs von 33 neuen Stiftungen souverän im Städteranking auf Platz drei (68/100.000).

Prof. Dr. Hans Fleisch, Generalsekretär des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen: „Stifter und Stifterinnen sind Vorreiter der Mitmachgesellschaft. Seit Jahrhunderten schultern sie freiwillig Gemeinwohlaufgaben. Wichtig ist für uns jetzt, den Sympathievorschuss in Stiftungen einzulösen. Deshalb setzt der Bundesverband Deutscher Stiftungen im Jahr 2011 auf das Leitmotiv Transparenz und treibt die Entwicklung der Grundsätze Guter Stiftungspraxis voran.“

Bürgerstiftungen wachsen dynamisch

Als Trend sind andere Formen des Stiftens wie die Zustiftung (Erhöhung des Stiftungsvermögens einer bereits bestehenden Stiftung) bzw. die Treuhandstiftung (unselbstständige Stiftung, die durch Treuhandvertrag errichtet wird) auszumachen.

Diese „Einsteigermodelle“ ins Stiften liegen dabei fernab der offiziellen Statistik, da in diesen Fällen nicht die Anerkennung durch eine Aufsichtsbehörde notwendig ist.

Beispielhaft ist für 2010 die Zustiftung von 15 Millionen Euro in den Kapitalstock der Bürgerstiftung Hamburg durch einen anonymen Mäzen.

Die Zahl der Bürgerstiftungen insgesamt hat sich wie im Vorjahr um 31 erhöht. 207 Bürgerstiftungen tragen das Gütesiegel des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen, das unter anderem für konfessionelle und parteipolitische Unabhängigkeit verliehen wird.

Bundesverband Deutscher Stiftungen – Größter Stiftungsverband in Europa

Der Bundesverband Deutscher Stiftungen vertritt als Dachverband die Interessen der Stiftungen. Im Jahr 2010 sind dem Verband 293 neue Mitglieder beigetreten, davon 230 Stiftungen. Insgesamt zählt der größte Stiftungsverband in Europa annähernd 3.600 Mitglieder; über Stiftungsverwaltungen sind ihm über 6.000 Stiftungen mitgliedschaftlich verbunden. Damit repräsentiert der Bundesverband Deutscher Stiftungen rund drei Viertel des deutschen Stiftungsvermögens in Höhe von mehr als 100 Milliarden Euro. 95 Prozent der Stiftungen in Deutschland sind gemeinnützig. Für satzungsgemäße Zwecke geben sie jährlich 16 bis 17 Milliarden Euro aus.

Quelle: Pressemitteilung des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen vom 10.02.2011
http://www.stiftungen.org

Literatur zum Thema

Buchcover

Sebastian Weinert: 100 Jahre. Fürst Donnersmarck-Stiftung 1916-2016. Eigenverlag 2016. 288 Seiten. ISBN 978-3-00-052484-4.
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Buchcover

Michael Sommer, Ralf Stefan Werz, Benjamin Leuchten: Gemeinnützige Vereine und Stiftungen erfolgreich gründen und führen. C.H.Beck Verlag (München) 2013. 298 Seiten. ISBN 978-3-406-63378-2.
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